Mai 2000 2. Teil.        Der erste Teil ist auf der Seite www.zorbas.de/texte/franieze.htm    nachzulesen.

                      02.Mai 2000  - Dienstag

Wir trinken ein letztes Mal Kaffee auf unserer Terrasse. Dann wird gepackt und Ordnung gemacht. Um 09.15 Uhr sind wir fertig. Es wird die Wirtin geholt, das Zimmer übergeben, die Anschriften nochmals aufgeschrieben, die Telefonrechnung beglichen. Die Häschen am Strauch haben wir mit einem Trinkgeld dagelassen. Dann ziehen wir los.

                                   

Jeder Blick wird ein kleiner Abschied. Hier der Supermarkt, da ein Maniturm, unsere kleine Kirche, die wir erwandert hatten, die Straßen die wir befuhren und immer wieder links die Berge und rechts das Meer. So langsam kennen wir die Orte und wissen, welche Blicke uns lieb geworden sind. In Areopoli fahren wir ab, jetzt liegt Neuland vor uns. Unser Ziel ist Githio. Hier war Frank vor mehr als 20 Jahren mit dem Zelt gewesen. Es ist jetzt eine sehr auf Tourismus eingestellte Fischerstadt geworden. Taverne an Taverne, ein Autoverkehr zum Umfallen. Ab und zu hängen "Tentakel-fische" (Kalamaris) von der Leine und warten auf Käufer. Außer einer Zeitung (Athener Zeitung), einer Bank zum Geldtauschen und einen Rundgang, lockt uns so richtig nichts. Wir sehen auch die Insel oder war es eine Halbinsel (Bild 1) , wo Helena den Paris küsste und damit einen Krieg auslöste (Troja). Als wir Githio verlassen, halten wir dennoch an. Frank zeigt mir die Bucht, wo er früher gezeltet hatte und die Inseln, zu denen er hinausschwamm. Ansonsten ist er sehr enttäuscht, denn sein Githio, einst ein malerisches Fischerdorf, ist total von Touristen überlaufen (für die Bewohner verständlich) und für ihn nicht mehr sehenswert.

Wir fahren über Skala und Elos. Wir wollen uns eine Unterkunft für die Nacht suchen. Das einzige Hotel in Elos lockte uns nicht und nirgends fanden wir das Schild "Rooms for rent". Auf unserer Suche hatten wir den ganzen Ort durch-wandert. Wir hätten für den Nachmittag und den Abend kein richtiges Ziel mehr gehabt. Es lohnte sich nicht zu bleiben.  Allerdings entdeckten wir bei unserer Ortdurchwanderung eine wunderschöne Kirche (Bild 2)        

Also fahren wir weiter, an Plantagen mit vollreifen Mandarinen vorbei. Ewig....      Molai ist unser nächstes Ziel. Der Ort sieht sehr groß aus. Schaufenster, Mode für alle, Läden, Kafenions noch und noch. Wir steigen irgendwo aus und finden auch gleich ein Hotel. Beim Erkunden des Ortes finden wir alles, 4 Apotheken, 4 Supermärkte, Fleischer, Obst-Läden, Blumenläden, Möbelmärkte... einfach alles. Niemand vermietet aber Appartements oder Zimmer (es fehlt an Hinweisen). Gut, dass wir unser Hotelzimmer mit Balkon haben. Das tollste ist der Balkon. Das Hotel liegt am zentral-sten Platz dieser Stadt und vom Balkon sehen wir genau auf diesen Platz und nehmen am Leben teil. Unter uns sind riesige Flächen mit Tischen und Stühlen. Man denkt, jeden Moment müssen die Busse mit Touristen vorfahren und zum Essen stürmen. Geschäfte auf der anderen Seite des Platzes, eine große Kirche und ein Blick über Oliven- und Orang-enheine bis zu den Bergen, die ringsum thronen. Als es dunkel ist, haben wir einen tollen Blick auf die funkelnden Lichter der umliegenden Dörfer. Schnurgerade führt eine Straße zum nächsten Ort, eingesäumt von Eukalyptusbäumen. Wir haben unseren Spaß, die Leute in den Kafenions und das Treiben auf der Straße zu beobachten. Als wir uns gegen 23.00 Uhr hinlegen, sitzen die Herren unter uns noch bei Kaffee und Wasser. Ein Wirt auf der anderen Straßenseite grillt frischen Fisch vor seinem Kafenion. Ein richtiges großes Lokal haben wir nicht gefunden, dennoch haben wir etwas gefunden und warm gegessen. Bis nach Mitternacht fahren die Autos, sehr viele Pick-Ups, Mopeds über Mopeds. Wir wohnen tatsächlich im Zentrum der Stadt. Die letzten Motorräder fahren mit lautem Geheul ab, dann ist auf einmal absolute Ruhe.                      Wie lange wohl??    

 

                                03.Mai 2000 - Mittwoch

Ach, ist das ein Leben. Draußen auf der Straße tost schon das wirkliche Leben. Die Fischer sind da und verkaufen ihren Fang. Ein riesiger Fisch wird an Ort und Stelle in Filets zerschnitten, genau nach Wahl des Käufers. Die ersten Männer sitzen bereits im Kafenion. Wir frühstücken auf dem Balkon. Monemvassia, an der anderen Seite des Fingers am Meer gelegen, ist unser Ziel. Es ist eine riesige Insel aus Stein, ein Felsblock, der durch einen schmalen Damm und einer Brücke mit dem Festland verbunden ist (Bild 3).     Nur ganz wenige Mauern sehen wir bei der Anfahrt. Wir parken und gehen zu Fuß. Autoverkehr ist ab dem Stadttor nicht mehr möglich. Das Meer ist heute ziemlich stürmisch und tost und braust. Als erstes werfen wir einen Blick auf den Friedhof, er ist aus türkischer Zeit. Weißer Marmor, Büsten, wohin man sieht. Dann erreichen wir das Stadttor. Auffällig ist die Mauer, die sich den Berg hochzieht. 200m lang, etliche Meter (10 oder 12m) hoch. Durch einen Tunnel erreichen wir die Unterstadt. Die Hauptstraße, eine schmale, holprige Gasse, hat links und rechts Schmuck- und Andenkenläden sowie eine Vielzahl von Gaststätten. Anschließend kommen lauter kleine verwinkelte Wege und Gassen, gesäumt von niedrigen Häusern, die man über 1/2m breite Steinstufen, die sich teils (ohne Geländer) 5 m hoch am Haus entlangziehen, erreicht. Auf dem zentralen Punkt stehen mehrere Kirchen in verschiedenen Stilrichtungen. Eine Besichtigung von einer Kirche reicht für uns heute aus. Da es leicht zu regnen beginnt, gehen wir in eine Gaststätte. Kaffee und Eis, uns kann es nicht besser gehen. Als wir fertig sind, regnet es auch nicht mehr. Wir wenden uns der Oberstadt zu. Wendelartig, ziemlich anstrengend, steigen wir auf. Jede kleine Pause wird vom Meerespanorama und den Blick auf ein Dächergewirr belohnt (Bild 4)

Oben erwartet uns ein Gewirr von Ruinen auf einer "relativ" ebenen Fläche, 300 m über dem Meer und 1,7 km lang. Das hätten wir wirklich nicht erwartet. Es weht ein warmer Wind.  Die Kirche Agia Sofia ist voll instand gesetzt. Einige Wandgemälde sind schon interessant für uns. Eine riesige Kuppel ist zu sehen (Bild 5)

Draußen laufen wir zum Haus des ehemaligen Festungskommandanten, einer Zisterne, an großen gemauerten Tonnen-gewölben und immer wieder Ruinen vorbei. Es ist beeindruckend. Um alles abzulaufen, müssten wir noch einen Tag hier bleiben. Für "Kunsthistoriker" eine wahre Fundgrube. Und Ausblicke aufs Meer... Begeisternd. Wir ziehen nochmals durch die Altstadt. Hier und oben haben zeitweilig 60.000 Menschen gelebt. Sagenhaft! Wir besichtigen die Ost-Mauer, diese kann man auf einem offenen Wehrgang bewandern. Wir nutzen etwa die Hälfte. Von einer Seite aus blicken wir auf das Meer, auf der anderen in die Hinterhöfe von Häusern. Auch ein uraltes Mosaik, welches Ausgrabungen zutage brachten, sahen wir uns an. Nachmittags kehren wir dieser Insel den Rücken zu (Bild 6)

Quer durchs Land fahren wir zurück. Teilweise fahren wir so hoch, dass uns die Wolken in grau umhüllen. Auch wenn man denkt, dass es jeden Moment regnen müsste, aber es ist nicht so. Die Landschaft ist weit und breit von Oliven-Anbau, teilweise auch von Mandarinenplantagen, geprägt. Als wir wieder die Eukalyptus in Richtung Molai fahren, blinkt ein entgegenkommender Autofahrer auf. Frank grüßt zurück. Kurze Zeit später wissen wir warum, Polizei kon-trolliert die Geschwindigkeit. Wir werden lässig vorbeigewinkt.

Wir speisen vorzüglichen Schweinebraten und Auberginen, 2 Bier dazu (Retsina, Franks Leibgetränk, war nicht da), dann gehen wir ins Hotel. Da es ziemlich kühl geworden war, nutzen wir die Zeit zu einer gründlichen "Personenwä-sche", Duschen und Haare waschen. Beim Schreiben Wein, schon ist es 21.30 Uhr. Die Kafenions sind heute verwaist. Zu kühl. Einer der seltenen kühlen Abende. Was macht es, morgen ziehen wir weiter.  

 

                                04.Mai 2000  - Donnerstag

Schnell ist gepackt, die Rechnung bezahlt.   Wir wollen heute eine neue Bleibe suchen. Die Fahrt geht in Richtung Sparta. Unterwegs in Geraki machen wir halt. Kaffeezeit. Wieder finden wir rasch den zentralen Platz im Ort. deutlich erkennbar durch die Vielzahl von aufgestellten Tischen und Stühlen. Wir werden aber durch das Lokal gebeten, auch dort kann man auf einer Terrasse sitzen. Sie hat den Vorteil, dass man über das ganze weite Land, umgrenzt vom Gebirge, sehen kann. Auf einigen Gipfeln liegt noch Schnee. Eine gute Stunde verbringen wir hier, essen ein vorzügliches Stück Torte. Dann sehen wir uns noch die verwinkelten Häuserecken an, "traben" zu einer schönen Kirche und weiter geht die Fahrt. Aber halt, was ist das da oben auf dem Berg. Sieht wie eine Festung aus. Schnell haben wir die Serpentinen genommen. Schade alles ist umzäunt. Nichts mir Besichtigen. Ein Mann kommt mit einem Moped angefahren und bedeutet uns, dass er den Schlüssel hat. Wir sollen ihm mit dem Auto folgen.

Schnell ist das Tor geöffnet, dann geht es einen Schotterweg bergan. Hier sollen wir halten. Welche Sprache? Ah, deutsch, damit ist hier nichts zu machen. Mit ein paar Brocken englisch und griechisch geht es auch. Im Eilschritt hinter dem Mann den Berg hinauf. Hier ist eine Zisterne, hier eine Kirche. Sie wird für uns aufgeschlossen. Wir sind wie er -schlagen. Die ganze Kirche ist ausgemalt. Die Bilder sind so deutlich, als seien sie erst vor ein paar Jahren gemalt wor-den. Aber so ist es nicht. Mit anerkennenden Worten und dank für jeden Heiligen, der gezeigten Szene "Christi Ge-burt", so wie wir sie beim Durchblättern unserer Bücher schon sahen, wird die Kirche wieder verschlossen. Weiter geht es bergauf. Dieser Ablauf passiert noch 2x. Insgesamt besichtigen wir im "Schnelldurchlauf" 3 Kirchen. In der letzten werden wir extra auf einen Baldachin-Schrein hingewiesen mit Wappen und Flechtwerk, Halbmond für den Islam und Lilie für Frankreich. Die erhaltenen Wandmalereien in allen drei Kirchen sind sehenswert. Wir geben eine kleine Spende, denn alles war kostenlos gewesen, bekommen noch die umliegenden Gebirgsmassive, die wichtigsten Richtungen zu den großen Städten erklärt, dann ist finnisch. Hier noch ein Blick auf die halbverfallenen Häuser, dann geht es wieder abwärts ( Bild 7).    

Wir lesen nach: Der Ort war schon in der Jungsteinzeit besiedelt. Um das 12 Jhd. begann der Bau von Kirchen, Guy de Nioilet ließ 1254 die fränkische Burg errichten. Geraki wurde Bischofssitz. Die Truppen Ibrahim Paschas zerstörten so ziemlich alles. Heute ist der Ort eine Geisterstadt, die Burg selbst ist zerfallen (über 591 m Höhe) und Geraki liegt am Fuße der Berge. So schnell und unbürokratisch haben wir mit der byzantinischen Kirchenkunst Bekanntschaft geschlossen. Heute ist das gesamte Gelände, im Gegensatz zu unserem Reiseführer, umzäumt. Wir sind ganz erschlagen von den vielen Eindrücken, die uns so unvorbereitet trafen. Anscheinend wird vom Dorf aus beobachtet, wenn sich ein Auto auf die neu angelegte Straße zu bewegt und vor verschlossener Tür steht. Vielleicht ist man dort jetzt auch fertig und das Gelände ist zur Besichtigung freigegeben (Informationsgebäude wurden gebaut), aber dann wird sich ein solches Erlebnis nicht wiederholen. Auch auf diesem Wege ein Dank an unseren Führer in Geraki für seine Bemühungen.

Wir umfahren Sparta in Richtung Megalopolis. Die Straße führt kilometerweit am Taigetosgebirge entlang. Ein stetes auf und ab durch eine dichtbewaldete Gegend. Herrliche Panoramablicke inklusive. Manchmal muss Frank in den ersten gang schalten, um überhaupt fahren zu können. Besonders in den Dörfern muss man sehr acht geben, da teilweise nur sehr enge Straßen (gerade Wagenbreite, auf der einen Seite eine Hauswand, auf der anderen Seite der Abgrund) zu befahren sind. Alle Leute grüßen... Jassas, Jassus, Jasses... mal so, mal so. Ab und an überholen wir vollgepackte Maultiere, die Bäuerin, die neben her läuft, erscheint richtig klein dagegen. Auf einem freien Stück überholen wir ein kleines Wohnmobil, es stößt verdächtig viel Abgase (Nebelwerfer!) aus. Überall große Kirchen, 2 - 3 Klöster "kleben" an den Felshängen.      

Dann ist Megalopolis erreicht. Wir prüfen, ob wir ein Hotel nehmen. Aber uns ist alles viel zu laut, zu viele Geräusche für unsere Ohren. Wir fahren nach Karitena, ein wunderschöner Ort mit einer Burg. Nach unserem Reiseführer gibt es hier nur eine sehr spartanische Herberge. Wir sehen sie uns an. 2 kläffende Hund erwarten uns. Eine schmutzige "Alte" zeigt uns, wie wir selbst die Zimmer besichtigen können (offensichtlich haben wir sie in ihrer Ruhe gestört). Die Zimmer würden wir uns wirklich nur für eine Nacht, wenn man nicht mehr weiß, wohin, zumuten. Dankend lehnen wir ab. Wir haben noch zwei Orte in Petto.

8 km bis Stemnitsa, hier soll es Gold- und Silberschmiedewerkstätten geben. An der gut ausgebauten Straße fallen neugepflanzte Bäume auf, dann liegt der Ort nach einer Kurve vor uns (Bild 8). Ringsum Berge, alles grün, das Einfahren in den Ort macht uns schon Spaß. Wir suchen das Hotel (Reiseführer), macht einen guten Eindruck, also Frank muss rein. Vorsichtshalber erst einmal für ein Zimmer für 3 Nächte gefragt, Preise und so... . Die Wirtin ist sehr nett, sie zeigt uns ein Zimmer mit Dusche und Toilette, 2 Fenster... . Der Preis inklusive Frühstück ist o.k., gerechnet nach unserem letzten Tausch einiges unter 50,00 DM. Ein bisschen frisch gemacht, dann wollen wir erst einmal etwas trinken. Eine Karaffe Roten aus dem Fass, scheinbar das Hausgetränk. Wir erhalten dazu Oliven, Gurken und Brot. Eine angenehme Überraschung. Leicht "bedudelt", nicht nur vom Wein, gehen wir später durch den Ort. Kleine Lädchen, Bäcker, Fleischer... alles, was man so braucht. Ein zentraler Platz, eine Gaststätte, die uns einlädt. Wir kehren ein... Trinken o.k., Essen aber erst später. Was das bedeutet wissen wir noch nicht. Warten wir es ab. Um 20.30 Uhr werden Tischdecken verteilt, dann werden auch Bestellungen aufgenommen. Wir entscheiden uns für Steak. Leute ich sage Euch, so was leckeres mit diesen herrlichen Kräutern, eine Spur Zitrone, gibt es nicht immer. Und Tzatziki... . Ein Gedicht, ich werde morgen riechen, da Frank und ich uns aber nicht gegenseitig riechen, macht das alles nichts. Kulinarisch ein gelungener Einstand in Stemnitsa. Immerhin sind 2 Karaffen nochmals leer geworden. Die nötige Bettschwere ist hergestellt.

 

                                05.Mai 2000 - Freitag

Vielleicht fragt sich der Leser, warum neben dem Datum auch immer der Tag angegeben ist. Tja, wenn man 4 Wochen unterwegs ist und Urlaub macht, keine Zeitungen liest, kein Fernsehen anschaut oder Radio hört, fragt man sich schon mal, welchen Wochentag man überhaupt hat. Da die Berichte nie älter als zwei Tage sind, bleiben wir so auf dem Lau-fenden. Ich könnte ewig so ein Urlaub machen. Aber die Rente ist noch so weit weg. In den Tag hineinleben, hier zu sitzen, ob 1 oder 2 Stunden, wen schert das schon. Die Landschaft genießen, bei jeder schönen Blume stehen zu blei-ben, Fantasien entwickeln, warum dies so oder so ist, dem Bachbett zu folgen, die Vögel in der Luft zu beobachten, den Schatten zu sehen, den sie werfen. Und dann jemanden an seiner Seite zu haben, der ebenso empfindet, der Pausen braucht, wenn ich sie brauche, den mein Rauchen nicht stört, denn Pausen müssen sein, der sich an Dingen erfreut, über die ich mich freue, das ist ein Leben, ein wunderschönes Leben.

Strahlender Sonnenschein empfängt uns, als wir die Läden vor den Fenstern öffnen. Ich habe nicht gemerkt, dass wir neben einer Kirche wohnen. Ein tolles Frühstücksbüfett erwartet uns. Warmer Toast - extra frisch gemacht. Heute wollen wir nur so den Ort erkunden. gestern hatten wir einen Aussichtspunkt ausgemacht. Außerdem soll es ein histo-risches Theater geben. Wir wohnen jetzt auf 1080 m Höhe. Abends ist es so kühl, dass die Heizung anspringt. Wir ge-hen zum Dorfplatz mit der Campanile. Von dort finden wir den Weg zum Aussichtsplateau. Es wird hier der Opfer der türkischen Besatzungszeit und der beiden Weltkriege gedacht. Hoch oben auf einem Vorberg ist das Plateau (Bild 9). Unsere Feldstecher leistet uns gute Dienste. Der Weitblick ist gewaltig. Es geht zurück, wir haben das Theater erspäht, es gibt nicht so viel her, wurde Anfang der 80ziger Jahre erbaut. Aber vorher haben wir runde Plattformen besichtigt. Diese könnten früher Kultstätten gewesen sein (ein Jahr später haben wir die tatsächliche Bedeutung der runden Plattformen kennen gelernt und herzlich über unseren Irrtum gelacht).

Aus einem Laster mit Hänger werden Schafe und einige Ziegen ausgeladen. Wir sehen gespannt zu. Die Tier kommen bis zu uns. Einige Hundert an der Zahl. Franks "Schäferherz" schlägt. Er kann sich nicht lösen (Bild 10). Die Böcke haben "Schürzen" umgeschnallt bekommen. Sie wollen wohl (decken), versuchen es auch, aber vergebens. Befruchtung ist jetzt nicht gewollt. Der Hund tut manches, aber Hüten kann er nicht. Er wird in den Bergen auch mehr zum Schutz benötigt. Eine Frau wacht, dass die Schafe zusammenbleiben, bevor sie der Schäfer übernimmt und auf seine Sommerweiden in die Berge zieht.

Wir steigen wieder abwärts zum Theater, vorher aber aufwärts zu einem kleinen Kirchlein. Dann folgen wir dem Schotterweg, finden die Müllabladefläche, aber auch eine wunderschöne Blumenwiese, wo wie rasten. Käse, Apfel-sinen, Trinken... ah...ja... .Da wir den Aufstieg zur Kirche suchen, die hoch oben auf dem Berg thront, lassen wir uns mal wieder hinreißen, "Pfade" zu gehen. Aber heute wollten wir eigentlich nicht. Also runter, nicht rauf. Letztendlich wandern wir im Bachbett entlang, weil wir ja nicht klettern wollen. Hier eine Pause, da ein Verweilen, irgendwann fin-den wir einen Pfad, der zwar nicht zur Kirche, aber wieder zum Ort führt. Ein paar Mal überqueren wir minimale Bachläufe, finden wieder kreisrunde Plätze, an denen wir Tempel - in Gedanken - ansiedeln, dann hat uns der Ort wieder.

Immerhin waren wir 6 Stunden unterwegs, obwohl wir nur mal den Ort ansehen wollten. Pläne machen ist bei uns das eine, was herauskommt das andere. Kurze Frischerast im Hotelzimmer, dann geht es auf die Terrasse zum Bericht schreiben... 2 Karaffen Wein mit mesedákia (kleine Häppchen)... oh je... es ist erst 18.00 Uhr . Um 20.30 Uhr gehen wir essen mit allem Drum und Dran. Griechisches Essen ist eine Wohltat. kein Völlegefühl, Essen in Ruhe, alles ist überaus schmackhaft. Die Zeit vergeht, 2 Karaffen Wein sind leer. Der Schlaf ist tief und erholsam.

 

                                06.Mai 2000 - Sonnabend

Wir machen eine große Fahrt. Mistra, die "Geisterstadt" ist unser Ziel. Zeitig geht es los. Gleich nachdem wir den Ort verlassen haben, begrüßen uns ausgedehnte Nadelwälder, unterbrochen von blühenden Frühlingswiesen. Kilometer um Kilometer legen wir zurück. ewige Straße, keine Behausungen oder Häuser weit und breit. Nach mindestens 10 km ein einsames Haus, welches wir irrtümlich für ein Forsthaus halten. Erst bei  der Rückfahrt sehen wir, dass sich hie jemand ein enormes Wochenendhaus gebaut hat. Später sehen wir ein eingezäuntes Areal, darinnen etwas zu groß geratene Blockhäuser mit Spielplatz. Ein hervorragender Ausgangspunkt für Wanderungen in den herrlichen Wäldern.

(Übrigens ist es schon der 3. Tag, an dem ich Bericht schreibe, bei denen wir eine Karaffe Wein bestellt haben, dazu gibt es einen Imbissteller mit Brotstücken, Gurke, Oliven und Käsestangen. Eine schöne Zwischenmahlzeit.)

Anschließend durchfahren wir eine Straßenbaustelle, sie hat enorme Ausmaße. Der Berg wird richtig  abgetragen, teil-weise entsteht eine Breite von 15 bis 20 m. In Windungen geht es rauf und runter, eine Ortschaft durchfahren wir, drei sehen wir am Rand liegen. Dann liegt Tripolis vor uns. Frank durchquert es zügig, er will abbiegen, da stehen lauter Autos in entgegengesetzter Fahrtrichtung vor uns. Alle schauen gelassen zu, bis unser Auto gewendet ist. Keine Gesti-ken, keine verzogenen Gesichter, kein Hupen. Man hat Zeit, um zu sehen, wie sich Frank aus der Affäre zieht. Da wir die Straße zurückfahren müssen, sehen wir, dass an der Abbiegestelle ein Schild steht: Abbiegen verboten. Dies aber wie immer nur für eine Richtung, aus unserer ersten Fahrtrichtung gab es keinen Hinweis. Dieses Kuriosum haben wir auch bei anderen Fahrten über Land festgestellt. Man kann nur zurücksetzen, sich umdrehen und lesen. Aber es scha-det nichts, wir sind bisher immer da angekommen, wohin wir wollten.

Weiter geht es bis Sparta. Der Weg nach Mistra ist prima ausgeschildert. Am unteren Eingang nur wenig Parkplätze, also fahren wir höher. Ein glücklicher Umstand, wie sich später herausstellt, so brauchen wir nur noch halbtief und halbhoch laufen. Wir betreten Mistra durch das Nordwesttor. Eintritt bezahlt und schon sind wir drin. Als erstes be-sichtigen wir die Burg (Bild 11). Also steigen und nochmals steigen. Jeder bewundert die Klatschmohnstelle. Ab und zu muss man verschnaufen. Von der Festung aus überblicken wir die gesamte Stadt, oder fast die ganze Stadt. Ruinen über Ruinen, Kirchen hier und da, große Gebäude weiter unten. Die Festung ist das älteste Gebäude hier, sie hatte eine strategische Bedeutung.

Guillaume II. de Villehardouin ließ die Festung 1249 bauen. Nur 13 Jahre hatte er einen Nutzen davon, dann wechsel-ten die Machthaber ständig (Bischofssitz, Türken, Bulgaren, Kaiser Manuel II., Sultan Mohammed II.). 1821 bis 1829 - griechischer Freiheitskampf - die Festung versank endgültig in Trümmer. Oben auf der Festung erahnt man die ge-waltige Größe, noch besser ist sie aber von unten auszudeuten, wenn man die gewaltigen Mauern auf der Bergspitze thronen sieht.

Der Ausblick ist einfach phantastisch, eine weite Ebene, eingefasst von gewaltigen Bergen, Sparta zu unseren Füßen... und alles im Sonnenschein (Bild 12). Wir wandern bergab zur Kirche Agia Sophia (heilige Weisheit). Einige Wandbilder sind erhalten, aber nicht so schön, wie wir sie in Geraki sahen. Frank erfuhr von einem freundlichen Fremden (natürlich ein Grieche), der sich über sein Interesse freute, dass von den Türken alle Augen der Heiligen ausgestochen, bzw. zerkratzt worden sind. Tatsächlich, wo man es weiß, sehen wir dies überall, auch später in anderen Kirchen.

Wir passieren Palataki (kleiner Palast) und besichtigen die Kirche Agios Nikolaos. In Wandbildern ist die Geschichte des Nikolaos von Mistra, Wohltäter der Armen, erhalten geblieben. Das Pantanassa-Kloster wird noch von Nonnen bewohnt. Blumen über Blumen begrüßen uns. Den Eintritt in die Klosterkirche ersparen wir uns, denn wir sind nicht ordentlich angezogen. Kurze Hose und freie Oberarme sind keine Kleidung um einzutreten. Die am Eingang hängenden Röcke usw. sind restlos vergeben. Aber so viele Kirchen müssen wir ja auch nicht an einem Tag besichtigen. Ein wei-teres Kloster, eine Kapelle und den Marmara-Brunnen müssen wir uns für ein späteres Mal aufheben. Auch für die Unterstadt haben wir heute keine Zeit. Ein Gewitter scheint aufzuziehen. Wir sehen uns den Despoten-Palast an. Go-tische und byzantinische Bauweisen sind erkennbar. Der Nordflügel ist ein 3-stöckiges Gebäude, im Untergeschoss befindet sich der Thronsaal des Despoten (36 m x 10 m). Das gesamte Gebäude ist z.Zt. eingerüstet. Im Reiseführer ist es noch eine Ruine, jetzt ist der Wiederaufbau im vollen Gange. Dach, Fenster, alles ist schon da.

Wir müssen wieder aufwärts, an zahlreichen Ruinen, Blumengewucher, geht es zurück zum Eingangstor. Mehr als ein-mal sind wir durchgeschwitzt. Schnell noch ein Buch und 2 Karten erstanden, dann zum Auto. Der Regen setzt ein. Wir fahren nach Sparta, ich kaufe schnell einen Beutel Apfelsinen (mein 1. Einkauf - selbständig - in Griechenland!), dann fahren wir zurück. In Tripolis erwischt uns der Regen so stark, dass Frank anhalten muss. Die Straße steht unter Wasser und bei dem Guss würden wir keine Schilder finden, um in die richtige Richtung zu fahren. Relativ einfach findet mein toller Fahrer (geht beim Schreiben runter wie Olivenöl) durch die Stadt. Dann geht es über Berge, durch Täler und Tannen heimwärts. Und nun sitzen wir wieder bei unserem täglichen Nachmittags-Imbiss. Es ist schon erstaunlich, welche Sehenswürdigkeiten ich seit Weihnachten 1999 alle hier in Griechenland kennen gelernt habe.         Einen Wunsch habe ich noch, ein Kloster möchte ich besichtigen... Mal sehen, mal sehen.

 

                                07.Mai 2000 - Sonntag

Ruhiges Wandern ist angesagt (unser Lieblingssatz). Nachdem uns der eine Berg mit seiner Kapelle nicht hold war, nehmen wir den 2. Berg mit einer anderen Kapelle in Angriff (Bild 13). Dieses Mal gelingt uns der Aufstieg, obwohl wir zuletzt den Pfad verlieren und ein kurzes Stück zurück müssen. Dann ist der Ausguck erreicht. Der Ort Stemnitsa liegt ausgebreitet unter uns. Dort ist die Gedenkstätte, da der zentrale Platz, hier das Theater. Interessant, wie sich ein Bus durch die engen Gassen windet. Die Autos haben keine Chance vorbeizufahren. Und warm ist es hier (Bild 14).

Was ist das?   Scheinbar eine Beerdigung. Eine lange Prozession schwarz gekleideter Personen bewegt sich zum Friedhof, den wir bei unserem Aufstieg passiert hatten. Er liegt außerhalb des Ortes. Heute früh waren auch einige Gäste aus dem Hotel in der Kirche, die direkt neben dem Hotel steht. Das "Glockengeläut" hielt sich aber, im Gegen-satt zu Ostern, in Grenzen. Wir verlassen unseren Kapellenplatz, zuvor werden noch die Lilien fotografiert.

Wir steigen ab, dann auf. Wir befinden uns jetzt ca. 300 m über dem Ort. Herrliche Bergwiesen liegen vor uns. Eine alte Frau hütet in dieser Höhe ihre Schafe. Jetzt haben uns die Hunde (4!!) entdeckt. Das Gebell schallt ohrenbetäubend, durch die Berge wird der Schall zurückgeworfen. Wir klettern schnell höher, aber das Gebelle verfolgt uns. Sogar eine Schildkröte fühlt sich gestört und "flüchtet"! Ist sie nicht schön gezeichnet? Die bisherigen unseren Weg kreuzenden Tiere waren nur grau. Also setzen wir uns erst einmal hin und verhalten uns still. Nach einer weile kehrt Ruhe ein. Wir steigen weiter, das Gebell geht wieder los. Also keinen Gewinn. So hoch wollten wir eigentlich nicht. Später merken wir, dass die Hunde ihre Aufmerksamkeit etwas anderem zuwenden. Wir steigen abwärts auf unsere alte Höhe und befinden uns auf einer Hochebene, eine grüne Wiese schließt sich der anderen an. Es geht sich hervorragend. Wir machen Mittagspause. Ich kann aber nicht still sitzen, es gibt so viel zu sehen. Hier ist eine ganze Ecke voll Bergmännern, dort sind Himmelsschlüsselchen in großer Zahl. Die Bäume stellen sich bei näherem hinsehen als Pinien-bäume dar. Sie sind gerade dabei Grün anzusetzen. An einer anderen Stelle finden wir überraschend Pilze, vom Aus-sehen könnten es Champions sein. Die Vielzahl der Blumen auf den Wiesen würden jedes Liebhaberherz für Botanik höher schlagen lassen.

Überall sind Terrassen angelegt, um die Feuchtigkeit zu halten und dem Erdrutsch bzw. dem Abspülen des Humusbo-den durch den Regen vorzubeugen. Idyllische, unberührte Natur... einfach herrlich und zum Sonntag passend. Wir stei-gen abwärts.           Es plätschert?  Sollte hier ein Bach in der Nähe sein?  Das wäre hier oben etwas seltenes. Tatsächlich, erst ein breiter Rinnsal, dieser kann aber nicht das Geräusch erzeugt haben. 5 Schritte weiter finden wir die Ursache. Der Rinnsal fällt in tönerne Tonrinnen, in denen das Wasser zum Ort geleitet wird. Äußerst interessant. Es ist ein Foto wert. Ein steinerner Weg führt abwärts. Wir treten ganz zur  Seite. Ein Hirte auf einem Pferd nähert sich uns. Ein kräftiges freundliches Jasses wir auf unseren Gruß erwidert. Es ist erstaunlich, wie sich das Pferd den besten trittfesten Weg sucht. Wir haben Schwierigkeiten. Der Hirte muss nur aufpassen, dass er den Büschen rechtzeitig mit seinen Beinen oder dem Kopf ausweicht.

Dann liegt unser ort wieder vor uns. Eine Kirche wird von uns umrundet. Hier machen wir noch einmal eine kurze Pau-se. Es war eine wunderschöne Wanderung, sehr leise (das Hundegebell kann man vergessen), sehr naturverbunden und erholsam, trotz der zeitweiligen Anstrengungen.        Jetzt ruhen wir uns beim Wein und Imbiss aus. Auf englisch bringen wir ein Gespräch mit einer Griechin zustande (Franks griechisch reicht noch nicht aus). Ansonsten nehmen wir am "Familiebetrieb" Anteil.

 

                                08.Mai 2000 - Montag -

Ziel unserer Fahrt ist zunächst Vitina. Es soll ein kleines Bergdorf sein, berühmt durch Holzschnitzarbeiten. Schließlich müssen wir ein Souvenir für unsere Tochter Kathrin kaufen. In Dimitsana machen wir Halt. Ein Mann in einer Art Uni-form, vergleichbar mit einem Straßenbahnfahrkartenverkäufer, erweckte unsere Aufmerksamkeit. Er scheint hier be-kannt wie ein "bunter Hund" zu sein. Volle Montur bei dieser Wärme.        Ein paar Blicke in die Läden. Eine bunte Ledertasche könnte als Geschenk in frage kommen. Die Entscheidung wird vertagt, da wir nach Vitina wollen, bzw. sowieso noch einmal hierher kommen. Also weiter... .

Als Bergdorf würden wir Vitina nicht bezeichnen, da wir als direkten Vergleich Stemnitsa kennen. Hier fehlt uns die Vermarktung der Schnitzkunst. Nirgends eine Skulptur oder ein schön geschnitztes Hinweisschild. Sollte der Reisefüh-rer im Recht sein, sind wir wahrscheinlich zu früh hier. Es ist noch keine Urlaubszeit.        Ein einziges Geschäft lädt zum Stöbern in Holzkunst ein. Vieles ist in der Art hergestellt, die früher als Ferienlagersouvenir galten mit Sprüchen wie "Herzliche Grüße aus..." . Das kommt für uns nicht in Frage. Toll wiederum sind Bilder- und Spiegelrahmen, das ist was für Kenner. Und dann entdecken wir unsere Eule. Diese ist mit einem Haken versehen, hängt man dort etwas auf, spreizt die Eule die Flügel ab (Prinzip des Hampelmannes).

Aber für Kathrin gibt es nichts. Wir stärken uns im Kafenion des Ortes. Dort sucht Frank die Vokabeln für "gemischte Gewürze" heraus. Obwohl man uns in den Geschäften versteht, kann uns nicht geholfen werden. Alle Gewürze sind "rein" sortiert. Wir sind leicht enttäuscht. Der Reiseführer sprach von traditionellen Tavernen und halbdunklen Laden-höhlen und Gewürzvielfalt - davon sehen wir hier nichts. Es liegt wohl daran, dass noch keine Saison der Touristen ist.

Wir fahren durch herrliche Wälder Richtung Tripolis, Mandinea ist das nächste Ziel. Wir haben schon viel über die dortige  Kirche gelesen, die erst 1970/72 von K. Papatheodoros gebaut wurde. Sie gilt als die merkwürdigste Kirche Griechenlands (Bild 15). Sie sieht von allen Seiten anders aus, keine Säulenart gleicht der anderen, jede Stilrichtung ist vertreten. Auch im Inneren ist es so. Beeindruckend ist die große runde Kuppel, die man von außen nicht erahnt. Das Licht der Kuppelmitte aus Glas erhellt alles in Gelb, dunkleres Gelb, Orange. Jede Ecke ist mit andersartigen Säulen versehen. Durch die verschiedenen Steinarten sieht die Kirche sowohl innen als auch außen sehr bunt und quirlig aus. Wirklich ein extrem außergewöhnlicher Kontrastpunkt zu den Kirchen, die wir bisher besichtigten. Irgendwie gefällt es uns, obwohl wir nicht nachvollziehen können, warum sich eine Privatperson so etwas hinstellt.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite weist ein langer Weg zu einem Ruinengelände. Es ist im Gegensatz zum Kirchengelände z.Zt. kaum gepflegt. Wir folgen den Trampelpfaden und sehen die wenigen Überreste der Ruinen des alten Stadtzentrums von Mandinea. Drei Stufenreihen zeigen uns, wo das kleine Theater war, welches als das erste in Griechenland gilt (Reiseführer). Der Hügel ist künstlich aufgeschüttet, denn das Land ringsum ist flach und eben. Auch sind noch einige Reste von Tempeln und Säulenreihen zu sehen, aber unsere Fantasie reicht bei weitem nicht aus, hier eine Stadt entstehen zu lassen (Bild 16).

Wir fahren über Kapsas und Levidi. Im letzten Ort suche wir den Weg, der über die Berge bis in die Nähe von Vitina führt. Obwohl wir verschiedene Richtungen probieren, finden wir den Weg nicht. Es soll auch kein offizieller Weg sein. Neue Filme und Zigaretten sind die einzige Ausbeute, dann geben wir auf. Wir fahren außen herum, irgendwann biegen wir ab und fahren durch kleinste Orte wie Pirgaki und Elati. Diese Menschen wohnen sehr abgeschieden. Mitten im Wald breitet sich eine große Lichtung aus. Ein Mahnmal erhebt sich weithin sichtbar. Auch Kränze sind noch zu sehen. Hier müssen am 21. Juni 1944 die Nazis gehaust haben, wohl 70 Menschen kommen hier zu Tode (Bild 17). Frank will den Text zu Hause übersetzen. Eine feierliche Stille herrscht hier. Die Geschichte hat uns überraschend und nicht vorhersehbar eingeholt. Was wissen wir eigentlich, wie sehr das griechische Volk unter den Deutschen zu leiden hatten?     Großmütig, dass man uns trotzdem überall so freundlich und herzlich entgegen kommt. Wir meinen dabei nicht die Touristenzentren, sondern die Freundlichkeiten in den kleinen abgeschiedenen Orten.

Einer unserer Imbisse mit Hauswein wartet auf uns im Hotel. Heute wollen wir nicht hier, sondern im Ort essen, aber es ist noch zu früh, denn essen gibt es "later". Wir wandern durch den gesamten Ort und sehen uns schon mal die Straße an, die wir morgen testen wollen. Von einem Schild an dieser Straße schreiben wir den Text ab; der muss nachher übersetzt werden. Hoffentlich bedeutet es nicht, dass die Straße gesperrt ist. Die Serpentinen sind 8 km lang (700 m Höhenunterschied), dann noch etwa eine 1/4 Stunde bis zum morgigen Ziel. Das könnten wir gut zu Fuß schaffen. Wir entschließen uns dann aber doch zur teilweisen Autofahrt, denn 8 km zu Fuß die Serpentinen zurück, immer hoch, davon weite Teile aus schwarzem Asphalt bei brennender Sonne, das erscheint uns zu happig. Lieber wollen wir unten mehr laufen.

Aufgabe erfüllt, zurück zur Gaststätte. Noch ist Zeit, also erst einen Wein (für Frank seinen geliebten Retsina). Wir las-sen das Essen dort aber doch sein, es kommt eine Horde Jugendlicher mit Kassettenrekorder. Ein ruhiges Essen würde das nicht werden.

Essen wir wieder im Hotel. Hm... lecker, lecker... . Nach Salat und Hauptgang mit dem notwendigen Wein fühlen wir uns zufrieden und entspannt. Doch was jetzt?    Ein Mann kommt mit einem Musikinstrument, kleiner Bauch, langer Hals. Kurz gestimmt, dann fängt er an zu singen und zu spielen. Es ist Bouzouki-Musik, Volkslieder, mal leise, mal temperamentvoll. Wir lauschen hingebungsvoll. Insgesamt sind wir wohl einschließlich Personal 10 Leute. Wir dürften die einzigen Ausländer sein, wir können keine Zwischenrufe machen oder lauthals mitsingen. Aber bekannt kommt uns schon manches vor.  Manchmal entsteht das Gefühl, als ob sich der Spieler mit dem Instrument unterhält, Antwort und Gegenantwort. Dazwischen werden Geschichten erzählt, wir verstehen leider nichts, aber sie werden enthusiastisch und mit Mimik vorgetragen, dass auch wir laut mitlachen und applaudieren. Mittendrin kommt ein Anruf, der nächste Be-steller fragt, wann denn der Lieferant (unser Musiker) zu erwarten ist. Die lakonische Antwort ist: "Ich werde hier auf-gehalten", dann gehen Musik und Gesang weiter. Bis 0.30 Uhr werden wir unterhalten. Dann fährt der Laster mit unse-rem Musiker ab, um die weiteren Auslieferungen zu erledigen. Wir sind mit unserem Abend rundum zufrieden. Gut das uns die Jugendlichen "vertrieben" haben.        Ein wunderbares, spontanes Erlebnis. Beschwingt steigen wir ins Bett.

 

                                09.Mai 2000 - Dienstag

Heute erwartet uns strahlender Sonnenschein, was auch sonst. Der Rucksack wird sorgfältig gepackt, denn wir wollen ein Kloster besichtigen. "Standesgemäße Bekleidung" wird benötigt. Mit dem Auto geht es die Serpentinen hinab, 8km können ganz schön lang sein. Etwa die Hälfte der Strecke ist asphaltiert. Auf dem Schild, welches wir passierten und übersetzten, stand: "Befahren auf eigene Gefahr". Es ist ja unser Auto und unser Leben. Überholt wurden wir einmal von einem Geländetransporter mit lauter Mönchen. Na ja, die fahren ja auch mit Gott und kannten sich hier auch aus. Nach der Asphaltstraße können wir nur im ersten Gang unter stetem Bremseinsatz weiterfahren. Teilweise fragt man sich, ob dies überhaupt ein befahrbarer Weg ist. Das Warnschild am Anfang der Strecke war schon berechtigt. Aber sicherlich werden zur Hauptreisezeit auch die Schäden von den Gesteinsschlägen beseitigt sein. So überwinden wir die 700 m Höhenmeter. An einer Kapelle befindet sich eine Parkmöglichkeit. Von hier aus muss man zu Fuß weiter. Bald sind wir unter grünem Blätterdach (abends erfahren wir, dass es heute 35° C waren) geschützt. Eine Tür bittet jeden Wanderer, sie geschlossen zu halten, damit "unsere Tiere" nicht "weggehen" (Bild 18).

Dann der erste zufällige Blick hinauf, da oben wohnt jemand, einige Balkone sind in Sicht (Bild 19). Als wir genau darunter stehen, verschlägt es uns die Sprache. So wie hier, dürfte bei uns keiner Bauen, geschweige denn wohnen. Alles ist an  Baumaterial zusammengestoppelt worden. Darüber ist die Wand rauchgeschwärzt. Wir steigen wieder auf. Dann sehen wir "unsere Tiere" - 3 Esel, die wohl manchmal dem Transport dienen. Der Klosterhof ist umzäumt, wir studieren das große Schild. Freie Oberarme und Shorts sind nicht erlaubt, ebenso Frauen in Hosen. An der Wand hängen Wickelröcke, aus dem Rucksack kommt die dunkle Strickjacke. Wir lassen alles liegen und gehen nochmals zurück zur Stein-Kirche, die sich außerhalb des Klosterhofes befindet. Ein paar Arbeiter entfernen geruhsam das Gras von der Treppe, ihr Mundwerk ist fleißiger, aber was soll es... . Die Kirche ist heute leider nicht zu betreten.

Das Kloster zieht immer wieder unsere Blicke an. Zimmerbreit an die Felswand gemauert, mehrere Stockwerke über-einander. Wie das Leben wohl da drinnen aussieht? Wir haben das Kloster Prodromou vor uns. Hier leben 18 Mön-che. Das Kloster besteht seit etwa 1600. Davor gab es hier eine noch ältere Einsiedelei. Hier werden die Reliquien des Hl. Athanasios (Bischoff von Christoupolis) aufbewahrt. Nach einer anderen Quelle wurde das Kloster 1167 von dem byzantinischen Kaiser Manouil Komninos erbaut ( ja, Reisen bildet). Als wir uns unserer extra angezogenen Kleidung entledigen, den Rucksack schon aufgesetzt haben, erklingt ein Hallo. Ob wir einen Kaffee trinken möchten?            Na, klar. Also alle Sachen wieder her- bzw. rausgeholt. Geduldig wird gewartet, bis ich fertig bin. dann sollen wir zum Eingang gehen. Auf einmal werden Franks Hände ergriffen und geküsst... etwas verwunderlich schon... Kurze Zeit später geht es mir ebenso und Frank nochmals überschwänglich. Keine Ahnung warum. Durch einen in den Fels ge-hauenen Korridor geht es voran, hier zweigt ein Weg ab, dort ebenfalls. Alles ist erleuchtet. Vorbei an Bildern werden wir in eine normale Küche dirigiert und zum Platz nehmen aufgefordert. Frischer Kaffee wird gebrüht, irgendwoher kommt Gebäck dazu... wir werden zu Zugreifen aufgefordert. Dann  das übliche... woher... east or west... . Das Ge-heimnis der "Küsserei" wird gelüftet. Franks Pferdeschwanz hat den Ausschlag gegeben, dazu noch seine grauen Haare... . Frank ist ein Pappa, Pappas des Klosters tragen die Haare lang und zum Knoten am Hinterkopf gefasst. Schmunzeln vernehmen wir, dass ich seine Schwester bin. Die Männer gehen die Religion an, Frank flunkert und sagt, wir seien evangelisch (Die Wahrheit, ohne Religion, wäre unverständlich gewesen). Das wird wohlwollend zur Kenntnis genommen. Katholiken mag hier keiner besonders. Als Frank mit Gesten und wenigen Worten erklärt, dass sich Katholiken immer nur auf Bücher berufen, der orthodoxe Glaube aber aus dem tiefsten Herzen kommt, gibt es kein Halten mehr. Wir werden gedrückt und geküsst, unser Mönch ist ganz "aus dem Häuschen". Wir wissen, was sich gebührt, ehe die Kaffeetassen nicht kalt sind, darf man nicht gehen.

Dann sollen wir mitkommen. Wir steigen im Fels noch ein paar Stufen hinauf und betreten einen relativ dunklen Raum. Unser Mönch spricht Gebete und verneigt sich. Wir sind ganz still. Dann macht er Licht und erklärt uns die uralten, ganz dunklen Wandmalereien. Diese dürften aus dem Mittelalter stammen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie klar und einfach die Deutungen sind. Draußen dürfen wir Kerzenanzünden. Frank gibt eine kleine Spende und wir werden wieder in den Hof geführt. Unser Mönch ist schnell verschwunden. Erst als wir schon das Gelände verlassen, erschallt ein Bye, Bye.          -  Danke lieber Mönch für die schöne Stunde  -        Es ist erstaunlich, wie Frank sich mit wenig griechisch und seinen Händen unterhalten kann (Bild 20)

In der Ferne sehen wir noch eine Kapelle, diese scheint neu zu sein. Also kann es nicht unser zweites Kloster sein. Wir wandern den Weg bergab, bestaunen die Felsformationen in der Lousios Schlucht. Als wir unten ankommen, gibt es verschiedene Schilder, aber keines zum Philosophenkloster. Also steigen wir den Weg wieder bergauf, heiß wird es uns. An einer weiteren Abzweigung geht es nun entlang, meist geht es bergab bis tief zum Felsengrund. Der reißende Bach wird überquert, dann geht es wieder bergauf.

Erst als wir fast davor stehen, entdecken wir das Mauerwerk, welches mit dem Berg verschmilzt (Bild 21). Wir stehen vor dem Philosophenkloster, dem Alten halbverfallen. Seine Entstehung reicht mindestens bis ins 12. Jahrhundert zurück. Möglich ist auch das Jahr 964, aber diese Urkunde könnte gefälscht sein, sagt unser Reiseführer. An diesem Kloster bildete sich vor Zeiten ein Zentrum des Widerstandes heran. Die wichtigste Rolle spielte die Schule während der türkischen Besetzung. Trotz des strikten Verbotes wurde die griechische Sprache, Schrift und Kultur gelehrt und überliefert. Das Kloster musste mehrfach "wandern" und erweitert werden. Das erste war so unzugänglich gebaut, dass es nur mit Strickleitern zu betreten war.

Wir staunten, wie sich die lilafarbenen Blüten in den Felsspalten ausbreiten. Über einen schmalen Pfad, ca. 70 cm breit, ohne Geländer, kraxeln wir an den alte Mauern entlang. Oben erwartete uns eine kleine Kapelle (Bild 22), ein gemauerter Schornstein mit Esse in den Berg hinein. So sollte der Feind keinen Rauch aufsteigen sehen und damit Hinweise zur Lage des Klosters erhalten. Die Gänge im Fels, die die Räume verbinden, sind vielleicht auch so 70/80 cm breit. Wir verlassen diese geschichtsträchtige Stätte und wandern zum neuen Kloster. Ehe wir dahin bergauf gehen, wird ausgiebig gerastet. Einige Fotos vom neuen Kloster, in dem 2 Mönche leben, dann geht es zurück. Die beiden anderen alten Klöster haben bei uns Spuren hinterlassen, das neue Kloster wirkte nicht mehr. Immer wieder blicken wir zurück, zuletzt gleicht es eher einem - "Schätzen - Sie - mal" - wo das Kloster liegt. Es wird eins mit der Felswand.

Unten am Wildbach ist Foto- und Pausenzeit. Ein ohrenbetäubendes Geräusch. Dann hält uns das Kloster Prodromou noch einmal gefangen mit seinen tollen Anblick. Ein unvergessliches Erlebnis wurde uns hier vergönnt.

Unseren Abend beschließen wir wie immer, außer dass wir schon ein paar Sachen packen. Morgen müssen wir weiter. Hier schreiben wir auch endlich Ansichtskarten... . Aber wir hatten bis jetzt auch keine Zeit dazu... !

                            

                Hotel Trikoloneion in Stemnitsa, Telefon in Griechenland: 0795-81297 / FAX: 81483

                                10.Mai 2000 - Mittwoch

Der Rest ist gepackt. Unser Auto hat all die vielen Sachen aufgenommen. Nochmals wurde reichlich gefrühstückt. Frank lässt die Rechnung machen. Sie wird sehr zu unseren Gunsten gestaltet. Alle Nachmittagsimbisse und der Wein gehen auf Kosten des Hauses. Frank darf sich noch in das persönliche Adressbuch der Kellnerin, mit der wir immer viel gelacht haben, eintragen. Über eines sind wir uns schon sicher, hierher kommen wir mindestens noch einmal. Hier hat uns alles gefallen, besonders die aufgeschlossene familiäre Atmosphäre und die wunderbare Umgebung.

Wir fahren nach Dimitsana und besuchen als erstes die Post. Unsere Karten wurden sofort bearbeitet, wie wir am rhythmischen Stempeln hören, genau 7x. Leider hat der Taschenladen nicht auf, also bleibt das Problem " Souvenir für unser Kind Kathrin" bestehen. Unser Ziel ist deshalb Langadia, dort soll es handgeknüpfte Teppiche und Decken ge-ben. Nur 6 km entfernt, leider haben wir nicht auf die Karte gesehen. Nach über 10 km fragt Frank, wie weit eigentlich 6 km sind. Die befestigte Straße hört auf, wenden kann man nicht mehr, warum auch. Wir durchqueren mehrere "3 - Häuser - Dörfer". Alle grüßen und sehen hinter uns her, bis wir wieder verschwunden sind. Offensichtlich fahren hier kaum Autos lang, schon gar nicht solche aus Deutschland. Es geht auf und ab, jetzt passt das Auto gerade noch auf den Weg. Alles staubt, immer wieder zweigen kleine Pfade (Ziegenwege) ab, Straßenschilder sind die in dieser unweg-samen Höhe natürlich unbekannt. Und es geht immer höher... . Bis wir sagen, jetzt ist Schluss, wir fahren irgendwo quer nach unten... . Hurra, ein größeres Dorf kommt in Sicht, da steht eine alte Frau, wir werden fragen. Sie versteht uns nicht, Karten lesen kann sie nicht, es fehlt die Brille und immer wieder, nein, nein, alle Wege sind falsch. Ich beschränke mich darauf einen größeren Ort in der Nähe zu nennen. Aha, so geht es, dort lang müssen wir. Und wieder ein Pfad, Straße wäre das falsche Wort. Nach ca. 2 Stunden sind wir wieder auf zuverlässiger Straße mit den für uns so notwendigen Schildern. Unser Auto freut sich, denn wir fahren einen normalen PKW.

Bald treffen wir in Kato Klitoria ein. Alles wird geschmückt, weil heute Abend hier die olympische Fackel durchgetra-gen wird. Wir wollen sehen, ob wir ein Schuhgeschäft finden, haben aber kein Glück. Dafür werden wir von einem Griechen im piekfeinen Outfit (ganz Gentlemanlike) angesprochen. Wir nehmen bei ihm Platz und bestellen Eiskaffee. Dann kommen wir ins Gespräch. Er war einige Jahre in Deutschland gewesen. Also klappt es mit den paar Brocken Griechisch, etwas deutsch, wenig Englisch. Gut, dass wir uns zu ihm gesetzt haben, denn er sagt uns, welche Straße wir hier im Ort nehmen müssen, allein wären wir nie so gefahren. Ein großer Umweg wurde gespart.

Unterwegs versperrt uns eine riesige Ziegenherd den Weg. Kalavrita ist unser heutiges Etappenziel. Der Ort ist für uns aus zweierlei Sicht von Bedeutung. Als Vergeltung für einen Partisanenüberfall machen die deutschen Besatzer am 13. Dezember 1943 das Dorf fast dem Erdboden gleich. Alle männlichen Bewohner, vor allem Jungs (Kinder von 12 Jahren!!) und Mönche werden hingerichtet. Die Frauen und Mädchen werde in der brennenden Schule eingesperrt und getötet. Insgesamt über 1200 Menschen sollen es gewesen sein, ob die Zahl stimmt ist für uns unerheblich, die Tat ist für sich genommen barbarisch und mit dem Verstand nicht zu fassen. Von den vielen Soldaten zeigte einer ein Herz, er zerschlägt die Hintertür des Hauses für eine Flucht. Dafür wird er anderntags standrechtlich erschossen.

Als wir uns dem Ort nähern, sehen wir auf einem Hügel eine schlichte Gedenkstätte mit einem riesigen Kreuz (Bild 23). Auf großen steinernen Blöcken stehen die Namen und das Alter der Ermordeten. Weithin ist dieses Mahnmal zu sehen und soll immer an diesen schrecklichen Tag erinnern (Bild24). Im Ort steht eine Kirche mit zwei Glockentürmen. Auf dem linken Turm blieb die Uhrzeit 1943. So ist auch dies eine Mahnung gegen das Vergessen. Das Kreuz überragt den Ort und ist von weitem sichtbar. Möge es allen Menschen zur Mahnung dienen und sie besonders auf die Gräueltaten verweisen, zu denen Menschen ohne Verstand fähig sind. Für uns als Deutsche ein Grund sich zu schämen.

Etwa 6 km südlich von Kalavrita liegt das Kloster Agia Lavras, heute ein pompöses Gebäude aus Natursteinen     (Bild 25). Die Anlage wurde 961 von Athos-Mönchen gegründet. Nachdem wir in Wickelrock und lange Hose geschlüpft sind, besichtigen wir die schöne Klosterkirche. Anschließend zieht es uns ins Museum, denn hier... wir suchen und suchen... fragen am Eingang nach... suchen wieder, dann kommt die Aufsicht und zeigt direkt darauf... . Die hier mit Nummer I benannte Handschrift, welche Katharina II, Zarin von Russland und Prinzessin von Zerbst, dem Kloster schenkte. Ein riesiges geschmücktes Buch mit Edelsteinen in vielen Farben versehen. Wir versuchen am Eingang zu erklären, dass wir aus der Stadt kommen, in der Katharina geboren wurde. 2 x müssen wir dies wiederholen. dann werden wir kommentiert... aha, Sie kommen aus dem Dorf Zerbst, wo Katharina geboren ist... . So unrecht haben die Klosterleute nicht (Bild 26).

Übrigens, wir haben an diesem Morgen auch endlich das Geschenk für unser Kind gefunden. Ob`s gefällt?              Auf unserer weiteren Fahrt kommen wir nochmals  in den Genuss riesiger Felsformationen. Hier in der Nähe fährt die berühmte Zahnradbahn, aber wir haben keine Zeit mehr, und außerdem müssen wir die heutigen traurigen Erlebnisse der Vergangenheit erst richtig verarbeiten. Das Kloster Mega Spileou ist eine Aufnahme wert (Bild 27). Es ist bis zu acht Stockwerken hoch und erinnert uns eher an ein an die Felswand gebautes Hotel. Das Kloster wurde bereits 840 gegründet. Mega Spileou bedeutet etwa "Große Höhle". Mehrmals in der Geschichte brannte das Kloster ab (die Deutschen waren auch hier beteiligt).        Wenn wir wählen könnten, würden wir immer wieder das Kloster Prodromou als sehenswerter vorschlagen, wegen seiner romantischen Lage, seines abenteuerlichen Aufbaus und seiner Abgeschiedenheit, auch wegen des einzigartigen Zusammentreffen mit einem seiner Bewohner. Dies wird uns unvergessen bleiben.

Dann ist zwischen den Bergen das Meer zu sehen. Wir fahren abwärts nach Diakofto. Hier wollen wir in Hotel Pano-rama übernachten. Bald haben wir unser Zimmer mit Balkon und Bad bezogen. Wir gehen zurück in die Stadt. Am Bahnhof in einer Taverne bleiben wir erst einmal bei einer Karaffe Wein hängen und hören nebenbei zu, wie ein Deut-scher dort ein Haus kaufen will. Dann ziehen wir weiter, wir wollen schließlich am letzten Abend auf dem griechischen Festland  noch mal richtig gemütlich essen. Bald haben wir eine Gaststätte gefunden. Marsch in die Küche, das kennen wir schon... alles geschieht zu unserer Zufriedenheit, und Frank hat endlich seine kleinen gebackenen Fische bekommen (bestimmt ein Pfund). Als wir den Heimweg antreten, kaufen wir noch in einem Lädchen Wein, der Verkäufer grinst zweideutig, bei dieser Nacht braucht man Wein, verdeutlicht es uns augenzwinkernd. Tja, ich schlage mal wieder eine Abkürzung vor... . Die Häuser werden immer weniger, schließlich wandeln wir im Olivenhain unter Sternen, schade, dass wir keine Gläser dabei haben oder wenigstens einen Korkenzieher.    Wir sind beim Abschiednehmen. Noch eine Stunde Balkonien mit dem Blick auf  Meer, Wellen und Wein, dann ist Nachtruhe.

 

                                11. Mai 2000 - Donnerstag

Letztes Ziel Patras. Im Hafen gelingt es uns gleich, die Schiffskarten zu bekommen. Alles hat also geklappt, meine Sor-gen waren umsonst, ich bin`s zufrieden (Bild 28).        Wir wandern in der Stadt umher, bestaunen die Hektik der Stadt, genießen wieder Eiskaffee, kaufen noch Sandalen für uns beide. Einige letzte Souvenirs, dann geht es an Bord. Zuvor stecken wir noch zwei Karten ein. An Bord nimmt uns wieder das Schauspiel des Einschiffens gefangen, dann speisen wir eine Stunde. Der Sonnenuntergang ist ein letztes Erlebnis, dann sehen wir noch eine Zeitlang die Lichter der vielen Inseln.                            Schlafenszeit.

 

                                12. Mai 2000 - Freitag -

Wir halten Rat. Frank will gleich bis Österreich durchfahren. 1050 km liegen vor uns. Mich hat eine Erkältung erwischt, kein Vergnügen, wenn es im Auto heiß ist. Ich schaffe es mal gerade 100 km zu fahren (meine einzige Fahrleistung im Urlaub), dann muss Frank wieder ans Steuer. Als Ausrede hält der einsetzende Regen her... und schwups bin ich wieder auf dem Beifahrersitz. Von den sich ständig gegenseitig überholenden LKWs will ich gar nicht mehr erzählen. Je näher wir dem Brenner kommen, um so verrückter wird gefahren. Überholverbot oder nicht, egal, anstelle von 70 km/h muss Frank 110/120 km/h fahren, sonst wären wir ein echtes Verkehrshindernis und die Lastzüge würden uns schieben. Kurz vor dem Brenner überrascht uns Schnee auf den Wiesen. Die Abfahrt zum Hotel "Zur Uhr" ist schnell gefunden (Bild 29). Alle Leute haben dicke Jacken und Hosen an. Dazwischen wir Sommerfrischler, kurze Hosen, offenes Hemd und Sandaletten. Ein herrliches Bild.               

Die Wirtin hat Verständnis für mich und heizt unser Zimmer auf. Schnell ziehen wir auch dicke Sachen, nach einer heißen Dusche, an, dann wird gegessen. So reichhaltig, so "nett" zubereitet, ich schaffe es nicht. Ich fühle mich kugel-rund, das Essen in Griechenland war weit bekömmlicher. Wir erzählen, woher wir kommen. Die männlichen Gäste sind ganz Ohr und staunen, weil wir alles mit dem Auto geschafft haben, ohne Panne, ohne Kratzer... unser Gefährt, kommt ja von Gefährte; hat sich bewährt.

 

                                13. Mai 2000 - Samstag -

Auf einen Rutsch geht es bis Zerbst. Wir kommen gegen Abend, von Kathrin freudig begrüßt, an. Auf der Rückfahrt haben wir öfter darüber gesprochen, ob wir nicht lieber wieder umkehren. Aber es gab keine Havarie noch eine "son-derbare" Krankheit, kein Fels versperrte den Ausgang des Hafens... . Tja, Griechenland, Du musst warten, wir müssen warten... Versprochen, in einem Jahr kommen wir wieder. Wir starten am 30. April 2001! 4 Wochen oder 5 Wochen, dann suchen wir uns ein Heim, um bei Dir zu bleiben, unser geliebtes Griechenland. Danke für jede Sekunde auf Dei-nem Boden und unter Deinen Menschen.